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Wirtschaft

17.04.2018 - Artikel

Stand: April 2018

Aktuelle wirtschaftliche Lage

Finnlands Wirtschaft profitierte in der Vergangenheit überdurchschnittlich von der Globalisierung, war demzufolge aber von der weltweiten Wirtschaftskrise auch stärker betroffen als andere Industrieländer. Gründe hierfür waren die hohe Exportabhängigkeit der finnischen Wirtschaft sowie der hohe Anteil von Investitionsgütern am Export. Etwa 70 Prozent der Exporte fallen auf die Holz und Papierindustrie, Chemieindustrie sowie auf die Metall- und Elektroindustrie.

Finnland erlebte 2009 die stärkste Rezession seit der Banken- und Wirtschaftskrise zu Beginn der 1990er Jahre. Der wirtschaftliche Abschwung führte zu einem Rückgang des Bruttoinlandsprodukts (BIP) um 8,3 Prozent, dem stärksten Rückgang eines OECD-Landes. 2017 betrug das BIP-Wachstum 2,7 %, die Arbeitslosenquote lag bei 8,5 %; die Jugendarbeitslosenquote lag 2017 bei 18,3 %. Auch wenn sich die finnische Wirtschaft weiter erholt (Prognose der Europäischen Kommission für 2018: 2,8%) bleiben die zentralen Aufgaben für die Regierung die Konsolidierung der Haushalte und umfassende Strukturreformen zur langfristigen Verbesserung der Wirtschaftslage. Ein erster Schritt zur Konsolidierung war die Einigung auf einen „Wettbewerbsfähigkeitsvertrag“ zwischen den Tarifpartnern Anfang 2016.

Energiesektor

Aufgrund des Klimas und der energieintensiven Industrien ist der Energieverbrauch pro Kopf in Finnland überdurchschnittlich hoch. Energiemix im Gesamtenergieverbrauch 2017: 41 % fossile Brennstoffe (davon 2/3 Erdöl und Erdgas, 1/3 Kohle und Torf), 32 % erneuerbare Energien (vor allem Biomasse, teilweise Wasserkraft), 17 % Kernkraft, 5 % Stromimport, 5 % andere Energieträger. Der Anteil der bisher nur marginal genutzten Windkraft stieg im Vergleich zum Vorjahr um 57%.

Im westfinnischen Pori gibt es seit 2016 ein Flüssiggas-Terminal (LNG), um Erdgas auch außerhalb des südfinnischen Pipelinenetzes als Energiequelle nutzen zu können. Weitere Terminals sind in Tornio/Lappland und im südostfinnischen Hamina in Bau.

Finnland verfügt über zwei Kernkraftwerke mit insgesamt vier Reaktorblöcken, die rund 17 % des nationalen Energiebedarfs abdecken. In Anbetracht der Verpflichtung, die Klima-Ziele einzuhalten und der Sicherstellung der Energieversorgung, hat das Parlament im Juli 2010 den Plänen von zwei Energieversorgungsunternehmen zugestimmt, zwei neue Kernkraftwerke zu errichten, und den Ausbau einer Endlagerstätte im westfinnischen Olkiluoto beschlossen. Der in Olkiluoto darüber hinaus bereits seit 2005 im Bau befindliche fünfte Kernreaktor (Fertigstellung verzögert sich voraussichtlich bis 2019) ist auf 1.600 Megawatt ausgelegt. Laut dem 2015 vereinbarten Regierungsprogramm wird auf einen weiteren Ausbau der Kernenergie über den bereits beschlossenen Umfang hinaus jedenfalls in der laufenden Legislaturperiode verzichtet. Über den Kohleausstieg bis 2030 soll im Herbst 2018 ein Gesetzentwurf vorgelegt werden.

Umweltpolitik

Finnland deckt bereits gut 30 Prozent seines gesamten Energiebedarfs und beinahe 40 % seines Strombedarfs aus erneuerbaren Energiequellen. Finnland setzt außerdem auf Kernenergie, um auch emissionsfrei Energie zu erzeugen. Der derzeit im Bau befindliche fünfte Kernkraftreaktor soll die finnische Schadstoffbilanz jährlich um ca. 10 Mio. Tonnen CO²-Ausstoß entlasten und hat deshalb entscheidende Bedeutung für die finnische Klimabilanz. Finnland bleibt den EU-Klimazielen verpflichtet und hat das Pariser Klima-Übereinkommen unterzeichnet und ratifiziert.. Die Landesfläche besteht zu mehr als 70 % aus Wald. Die Nutzung von Energie aus Abfallprodukten der Forstwirtschaft spielt daher in Finnland eine zentrale Rolle.

Außenhandel

Der Außenhandel, Stütze der finnischen Wirtschaft, erlebte 2009 einen dramatischen Einbruch. Mittlerweile wickelt Finnland etwa 80 % seines gesamten Außenhandels mit europäischen Staaten ab. Der Anteil der EU-Staaten betrug 2017 beim Import und beim Export etwa 60 %. Die drei wichtigsten Handelspartner sind laut Angaben des finnischen Zolls Deutschland (14,9 % des finnischen Außenhandelsvolumens), Schweden (10,7 %) und Russland (9,6 %). Der Außenhandel mit Deutschland entwickelte sich in den letzten Jahren gegen den Trend gut. Wichtige Importgüter aus Deutschland sind chemische Produkte, Maschinen und Kraftfahrzeuge. Exportiert werden chemische Produkte, Holz- und Papierprodukte, sowie Metalle.

Mitgliedschaft in Wirtschaftsgruppierungen

Finnland ist Mitglied in allen bedeutenden internationalen und europäischen Wirtschaftsorganisationen und seit dem 1. Januar 1995 EU-Mitgliedstaat.

Staatshaushalt

Die finanzielle Situation der öffentlichen Haushalte (Staat, Gemeinden, Sozialkassen) war bis zu Beginn der Finanzmarktkrise stabil. Insbesondere die hohen Überschüsse der Pensionsfonds sorgten bis 2008 für Überschüsse im Gesamthaushalt von bis zu 5 % des Bruttoinlandsprodukts (BIP). Seit 2009 und 2010 hat sich die Situation der öffentlichen Haushalte verschlechtert, wenngleich sich die Lage mittlerweile wieder entschärft hat. So lag die Neuverschuldung für das Jahr 2016 nur noch bei 0,4 % des BIP. Finnland ist bestrebt, die Vorgaben des Stabilitäts- und Wachstumspakts der EU einzuhalten, und erreichte es, die Gesamtverschuldung von Staat und Kommunen 2017 auf 61,4% des BIP zu reduzieren. Dieses Ziel berücksichtigt auch der Haushalt 2018. 

Im neuen Haushaltsentwurf für 2018 stehen 55,8 Mrd. Euro Ausgaben (2017 55,5 Mrd.) 52,3 Mrd. Einnahmen gegenüber. Die Neuverschuldung soll 3,5 Mrd. Euro betragen.

Hinweis:

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden.

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