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„ meidän meri “- das Meer, das uns zu Nachbarn macht

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18.10.2021 - Artikel

Der Ostseeraum hat in den finnisch-deutschen Beziehungen seit jeher eine Schlüsselrolle gespielt. Unsere Zusammenarbeit basiert auf den Grundsätzen, die sowohl die deutsche als auch die finnische Politik prägen: aktiver Multilateralismus und offener Dialog, so Botschafter Konrad Arz von Straussenburg in seinem Gastbeitrag für Centrum Balticum.

Für die Finnisch-Deutschen Beziehungen ist der Ostseeraum seit jeher von entscheidender Bedeutung: Wirtschaftlich waren wir schon vor Jahrhunderten über die Hanse eng verflochten. Der rege Austausch von Ideen prägt die Kulturgeschichte unserer Länder. Man denke nur an die Reise von Mikael Agricolas in Luthers Wittenberg. Bereits im Wort Hanse selbst zeigt sich die Verbindung eindrucksvoll: Es hat dieselben etymologischen Wurzeln wie das finnische ‚kansa‘ [Volk], beide bedeuteten ursprünglich sinngemäß Bund bzw. Gemeinschaft. 

Die Rolle der Ostsee für den finnischen Warenverkehr ist weiterhin bedeutend -  Finnland wickelt etwa 90 % seiner Exporte und 70 % seiner Importe über die Ostsee ab, was auch den Warenverkehr mit dem wichtigsten Handelspartner DEU (ca. 15%) kennzeichnet. Doch damals wie heute ist der Austausch von Waren und Gütern nur ein Aspekt von vielen in unseren bilateralen Beziehungen. 

Unsere Zusammenarbeit fußt auf Prinzipien, die die Politik Finnlands und Deutschland gleichermaßen prägen: Gelebter Multilateralismus und offener Dialog. Dabei bietet sich die Ostseepolitik als wichtiges Forum des Austauschs mit allen Anliegern der Ostsee an– ob EU Mitglied oder nicht. Daher ist es ein Erfolg, dass Klimaschutzpolitik und Menschenrechte Teil der gemeinsamen Vision des Ostseerates für 2030 geworden sind. Denn weder die Auswirkungen des Klimawandels noch der Umgang der Menschen miteinander machen an Grenzen oder Ufern halt. Deshalb pflegen wir weiterhin einen produktiven Austausch mit allen Ostseeanrainern darüber, wie wir einen nachhaltigen Ostseeraum gestalten können, der für die ‚Jugend in der Region‘ auf lange Sicht attraktiv und lebenswert bleibt. Dafür arbeiten wir eng zusammen, bilateral und in verschiedenen regionalen Organisationen, sei es unter dem Dach der EU aber auch darüber hinaus, etwa im Rahmen von HELCOM (Helsinki Kommission zum Schutz der Ostsee), der Nördlichen Dimension, des Ostseerates oder der EU Strategie für den Ostseeraum. 

In einer der vorangegangenen „Flaschenposten“ schrieb Finnlands Ostseebotschafterin, Helena Tuuri, es sei an der Zeit, die ‚Ärmel hochzukrempeln‘ – eine Einstellung, die ich teile. Praktische, niederschwellige Formen der Zusammenarbeit sind der beste Weg, die entscheidenden Partner an Bord zu holen. Deutschland beteiligt sich daran, die Zusammenarbeit auf allen Ebenen zu stärken, insbesondere im Rahmen zwischenstaatlicher Foren. Beim diesjährigen HELCOM-Ministertreffen in Lübeck am 20. Oktober – unter deutschem Vorsitz - passen wir den Baltic Sea Action Plan an die Erfordernisse dieses Jahrzehnts an. Die Arbeit daran war unter dem vorausgehenden finnischen Vorsitz begonnen worden. Gemeinsam werden wir dem Klimawandel, der Verschmutzung der Ostsee durch Müll und Einträge von Pharmazeutika, dem zunehmendem Unterwasserlärm sowie dem Verlust und der Störung des Meeresbodens damit noch entschiedener entgegentreten als zuvor. Erklärtes Ziel des aktualisierten Ostseeaktionsplanes ist die Erreichung eines guten Umweltzustandes der Ostsee-Ökosysteme. 

Ein anschauliches Beispiel, wie wir gemeinsam Herausforderungen im Ostseeraum begegnen können, gab die diesjährige BALEX-Delta Übung. Unter der Leitung der finnischen Küstenwache zeigten Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus den HELCOM-Mitgliedsstaaten, dass auch ein Großschadensereignis von bisher nicht dagewesenem Ausmaß dank gut organisierter Kooperation und Kommunikation effektiv eingedämmt werden kann. Sechs finnische und unter anderem auch zwei deutsche Schiffe beseitigten das Äquivalent von 20.000 Tonnen Schweröl – immerhin 4000 symbolische Tonnen mehr als beim bislang größten Ostsee-Ölunfall im Jahr 1981. 

Weitere große Aufgaben liegen noch vor uns. Um ein Beispiel aufzugreifen: Derzeit belasten schätzungsweise noch 300.000 Tonnen konventionelle Munition die Gewässer der Ostsee. Dies ist ein wichtiges Thema unseres HELCOM-Vorsitzes, auf das auch Außenminister Maas beim Treffen der Außenminister des Ostseerats 2020 hinwies, und das auch von der Ostseeparlamentarierkonferenz sowie jüngst vom Deutschen Bundestag unterstrichen wurde. Auch hier sind wir angewiesen auf enge regionale Kooperation und Austausch in Forschung und Entwicklung technischer Lösungen für umweltverträgliche, sichere Bergung der Munition. 

Wir sehen optimistisch in die Zukunft als Ostsee-Nachbar: Die unter deutschem Vorsitz jüngst beschlossene Schaffung eines EU Baltic Sea Strategy Point war ein wichtiger Schritt hin zur besseren Vernetzung aller Ebenen der EU-Ostseestrategie. Für uns ist der Ostseeraum ein wichtiger Inkubator für zukunftsweisende Technologien. Die Region wird derzeit immer mehr zu einer Quelle grüner, erneuerbarer Energie etwa durch den Ausbau von offshore-Windanlagen. Dabei gilt es die Ambitionen der Energieerzeugung mit den Anforderungen des marinen Naturschutzes in Einklang zu bringen. 

Deutschland wird sich über 2021 hinaus mit vollem Elan als Partner im Ostseeraum engagieren. Im Anschluss an den Vorsitz von HELCOM wird Deutschland am 1. Juli 2022 die Präsidentschaft des Ostseerates übernehmen – für uns eine bedeutsame Chance, mit unseren Partnern die „Vision zukunftsfähige Ostseeregion“ zu realisieren.

Eine Übersetzung ins Finnische finden Sie hier


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